20.07.2006

Wiedergefundene Serie (1998) Teil 39

Auf dem Schild stand: „Kommissariat, drei mal läuten“ Der Täter verglich es mit einer Adresse auf einem Notizzettel. Hier war er richtig. So oft war er dem Arm des Gesetzes nur um Haaresbreite entgangen. So oft schlug er der Täter der Polizei Schnappe um Schnäppchen. Keine gerechte Strafe wollte ihn erlangen, ihn, der so böses getan hatte. Er trat ein. Im Kommissariat waren die üblichen Verdächtigten und der Inspektor versammelt. Doch vom Kommissar keine Spur.

Der war angeln. Und diese kurze Auszeit vom anstrengenden Leben in der Stadt tat ihm mehr als nur gut, als einer angebissen hatte. Ein ganz dicker Brocken, denn der Kommissar musste feste ziehen und zerren an der Angelschnur.

Eilig verließ der Täter das Kommissariat, ließ die versammelten einfach stehen, borgte sich nur vom Inspektor ein paar Handschellen, die er sich gleich umlegte. Er rannte. Schnell schnell, den Bus raus ins Grüne. Nur dort konnte sich der Kommissar aufhalten. Der schöne Tag, die warme Sonne, ein Plätzchen im Grünen, ein Weiher und die Angelroute. Der Täter rannte schneller. Nur einen erholsamen Tag blau machen konnte einen so harten Mann wie den Kommissar aus seinem Revier locken.

Ein Bein gegen einen großen Stein gestemmt schaffte es der Kommissar, die Angelschnur am Baum aufzuwickeln. Heftig schwitzend und ganz außer Atem realisierte er ein hübsches Meerjungmädchen, welches den ekligen Köder im Mund hatte. Die Tür zum Kommissariat sprang auf und unter lautem Beifall warf der Kommissar seine Trophäe auf seinen Schreibtisch. Da habe er ja einen rekordverdächtigen Fang gemacht, lobte ihn der Inspektor, der die Freizeit auch gerne am Weiher verbrachte und die Verdächtigten fragten ihn nach seiner Angelausrüstung aus.

Am Weiher angekommen konnte der Täter anhand der Zigarettenstummel erkennen, dass der Kommissar schon über alle Berge war. Wieder war der Täter zu spät gekommen, wieder war die Gerechtigkeit nicht zum Zuge gekommen. Insgeheim freute sich der Täter für den Kommissar, denn Schleif- und Kampfspuren am Ufer des Weihers verrieten viel über dessen Fang.


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